Pietät

Es ist irgendwie so, wie es sein muss. Österreich verfällt in eine gefühlte Staatstrauer. Samt und sonders haben sie alle ein gewisses Mitgefühl, huldigen einer außergewöhnlichen Figur und vergessen aber auch nicht, auf die eh schon dreimal um den Globus gegangenen umstrittensten Äußerungen Haiders zu verweisen.
Die Internetforen und Kommentarfunktionen der meisten österreichischen Zeitungen sind geschlossen. »Aufgrund der zahllosen pietätlosen Postings«, wie es beispielsweise beim Standard heißt. Was auch immer mit pietätlos gemeint sein soll, in kaum einer der unabhängigen Medien ist zu lesen, wieso Haider eigentlich so spät nachts noch unterwegs war. Von einer Feier kam er, heißt maximal ab und an.
Die Süddeutsche Zeitung hingegen schreibt: »An dem Abend, bevor er in der Nacht zum Samstag in seinem Dienstwagen tödlich verunglückte, hatte Haider bezeichnenderweise noch eine Gedenkveranstaltung besucht, die dem sogenannten Abwehrkampf der Deutsch-Kärntner gegen Okkupationsversuche des Königreichs Jugoslawien nach dem ersten Weltkrieg gegolten hatte.«
Am 10. Oktober wird der Tag der Kärntner Einheit begangen, eine Domäne der extremen Rechten mit NS-Affinität. Man kann auch davon ausgehen, dass Haider, von welcher Feier auch immer kommend, einiges an Alkohol intus hatte. Als Abstinenzler kannte man ihn schließlich nicht. Eine Frage, die die österreichischen Medien in ihrer Gesamtheit nicht interessiert. Wieso eigentlich nicht? Immerhin ist wenig naheliegender: 142 km/h in einer Ortschaft, riskantes Überholmanöver: überhöhte Geschwindigkeit gepaart mit 2,5 Promille, welche erst die nötige Risikobereitschaft herstellen.

Pietät hin oder her: Ein verantwortungsloser Rechtsradikaler ist durch einen Autounfall ums Leben gekommen, und einzig schön ist, dass keine Unbeteiligten zu Schaden kamen – man stelle sich vor, der Typ rast um die Mittagszeit erheblich angeheitert durch einen Ort und mäht eine Schar spielender Kinder um. Es ist aber mitnichten ein Grund in kollektives Innehalten, wie es auch schon Kollege Lindwurm bemängelt, zu verfallen.
Um, wiederum analog zum Lindwurm, mit Worten Haiders zu schließen: Wegen so einem sollte man keine Krokodilstränen vergießen!

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