Aus sicherer Entfernung

peacemaker-screenshot_2

It took me a few hours to finish it successfully as the Palestinian president. Never had such a happy and satisfying game experience.

(Marco Boltz, Germany)

Wer vom Nahostkonflikt nach der täglichen Dosis Nachrichten immer noch nicht genug hat – und gerade jetzt, nach dem vorläufigen Ende der Kämpfe (wenn auch nicht der Raketen), mag bei so manchen ein bedrückendes Gefühl der Leere herrschen -, wer also immer noch nicht genug hat, der oder die kann am PC sich einer Lösung entgegendaddeln: Peacemaker heißt das gute Stück, und wurde im Dezember letzten Jahres sogar auf einer Tagung deutscher HistorikerInnen besprochen. (Als eines von mehreren Spielen, um keinen falschen Eindruck zu erwecken.)

„Ein dauerhafter Frieden ist zwar das erklärte Ziel des Spiels, es scheint aber nahezu unmöglich, diesen zu erreichen. Der eigentliche Anspruch ist es, Interessierten einen tieferen Einblick in die Voraussetzungen und Zusammenhänge beider Konfliktparteien zu ermöglichen. Mit ausführlichen historischen Informationen und einer Vielzahl von möglichen Maßnahmen aus den Bereichen Siedlungspolitik, Sicherheit, Diplomatie und Gesetzgebung gelingt es nach Vowinckel dem Spiel tatsächlich, Verständnis für die komplizierte Situation beider Völker zu entwickeln.“

Müsste man mal spielen, um’s bewerten zu können, allerdings deuten die Grundvoraussetzungen des Spiels (The other side wants peace too; You lack complete control of your own side; usw.) auf die wohlbekannte Äquidistanz hin: als ob das Verhältnis von Friedenswilligen und unberechenbaren Irren in Realiter auf jeder Seite gleich wäre, wie hier angedeutet ist.

Und der folgende Screenshot macht nicht zuversichtlicher.

peacemaker-screenshot_3

3 Responses to Aus sicherer Entfernung

  1. "Marco Boltz, Germany" says:

    “Glückwunsch” zu einem unvollständigen und hier “so gut passenden” Zitat (aus vielen anderen), das (dem Kontext entrissen) mal wieder als Beweis erhalten muß für … ja wofür eigentlich? Daß Menschen Spinner oder gar Antisemiten sind, wenn sie die Ansicht vertreten, der Nahostkonflikt hätte nicht nur eine palästinensische Ursache?!
    Abfällige Mutmaßungen der Art “kann am PC sich einer Lösung entgegendaddeln” oder “als ob das Verhältnis von Friedenswilligen und unberechenbaren Irren in Realiter auf jeder Seite gleich wäre” stehen jemandem, der das Spiel nur aus größter Entfernung und durch die Vorurteilsbrille betrachtet hat, nicht zu! Meine ursprüngliche Nachricht an die Entwickler von Peacemaker lautete damals (gekürzt, aber nicht verfälscht!): “It took me about 2 hours to finish it successfully on the highest level of difficulty as the palestinian president. Never had such a happy and satisfying game experience. I will play it again as the Israeli prime minister.”
    Letzteres tat ich dann übrigens auch mit Erfolg. Nebenbei erwähnt wählte ich die Rolle der Palästinenser nicht deshalb zuerst, weil ich einzig bei denen das Problem, respektive die Lösung, sehe, sondern weil mir die spielerische (im Sinne des Spiels: politische) Herausforderung größer erschien. Es hat mir durchaus neue und fundiertere Perspektiven gegeben, als ich vorher durch das Konsumieren von Fernsehbildern und Zeitungsberichten gewohnt war. Und das kann nicht schaden, wenn man bei dieser Materie eine Meinung pflegt.

  2. carla says:

    Hallo Marco,

    wenn du dich falsch oder verkürzt zitiert findest, mag das doof sein – aber nicht meine Tat, sondern die der Peacemaker-Leute (siehe http://www.peacemakergame.com/reviews.php; dort bist du mit genau diesem Zitat vertreten, das ich tatsächlich sehr prägnant fand). Vielleicht solltest du dich bei denen mal beschweren?

    Gruß, carla

  3. Marco says:

    Ja, hab schon gesehen, daß das dort nur sehr verkürzt aufgeführt ist. Allerdings ist mir schleierhaft, welche “prägnanten” Schlußfolgerungen man selbst aus dem verkürzten Zitat (u.a.) ziehen können will, um zu dem quasi Fazit des Textes oben zu kommen. Ich mag da falsch liegen. Aber die Interpretation hat in meinen Augen und in diesem Kontext einen ausschließlich negativen Touch. Warum? Die Frage ist ganz ehrlich gemeint. Wieso muß die “glückliche und befriedigende Erfahrung”, die Aufgabe des Spiels (die Zwei-Staaten-Lösung) als Palästinenserpräsident gelöst zu haben, als Beleg gelten, daß das Spiel nicht eventuell eine Bereicherung der Thematik sein kann. Mit nur wenig Anstrengung lese ich zwischen den Zeilen sogar den Vorwurf, das Spiel sei einseitig kontra Israel. Siehe der Hinweis auf den einzelnen Screenshot (es gibt hunderte andere, die im Spiel das Leid der Israelis verdeutlichen) oder der Satz zur “wohlbekannten Äquidistanz”. Und warum wurde z.B. nicht auch dieser Kommentar zitiert?
    “(My son) has learned more about the conflicts that have been plaguing the Middle East in three hours than I have been able to teach him in many years. (Terry Bowers, USA)”

    Marco

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: